Kurzantwort: In Nürnberger Altbauten, die vor 1973 errichtet wurden, können noch Bleirohre in der Trinkwasserinstallation vorhanden sein. Blei löst sich ins Trinkwasser und ist besonders für Kinder gefährlich. Lassen Sie das Wasser testen - und falls Blei nachweisbar ist, müssen die Rohre ausgetauscht werden.
Warum sind Bleirohre ein Problem?
Blei ist ein giftiges Schwermetall, das sich in kleinen Mengen aus dem Rohrmaterial ins Trinkwasser löst. Die Europäische Trinkwasserrichtlinie hat den Grenzwert für Blei im Trinkwasser auf 5 Mikrogramm pro Liter (ab 2036 noch strenger) abgesenkt. Für Säuglinge und Kleinkinder gibt es keinen sicheren Grenzwert - Blei schädigt die Gehirnentwicklung bereits in kleinsten Mengen.
Wo können Bleirohre in Nürnberg noch vorhanden sein?
Bleirohre wurden in Deutschland bis etwa 1973 in der Hausinstallation verbaut. Gründerzeitgebäude, Nachkriegshäuser und Gebäude aus den 1950er und frühen 1960er Jahren in Nürnberger Stadtteilen wie Gostenhof, Steinbühl oder St. Johannis können noch über Bleileitungen verfügen. Oft sind nicht alle Rohre aus Blei - manchmal gibt es nur einzelne Übergangsstücke oder kurze Abschnitte, zum Beispiel von der Hauptleitung zum Kaltwasserhahn.
Bleirohre erkennen
Optisch
Bleirohre sind mattgrau, weich und verbiegen sich leicht. Mit einem Schlüssel angetippt erzeugen sie ein dumpfes Geräusch. Im Unterschied dazu klingt Kupfer hell, und Kunststoffrohre sind meist weiß oder grau-blau.
Kratztest
Kratzen Sie mit einem Messer leicht über das Rohr. Bei Blei erscheint ein heller, glänzender Streifen - das Metall ist sehr weich. Kupfer hat eine charakteristische orange-rote Oberfläche, Edelstahl ist silbrig und hart.
Wassertest
Den sichersten Nachweis bringt eine Wasserprobe. Lassen Sie morgens das erste Wasser aus dem Hahn (Stagnationsprobe) von einem akkreditierten Labor analysieren. Das Gesundheitsamt Nürnberg und das Amt für Verbraucherschutz können Sie dabei beraten.
Sofortmaßnahmen bei Verdacht
- Lassen Sie jeden Morgen das Wasser zwei bis drei Minuten ablaufen, bevor Sie es trinken oder kochen - so spülen Sie das Stagnationswasser aus den Leitungen.
- Geben Sie Kindern und Säuglingen kein Leitungswasser aus möglicherweise belasteten Leitungen.
- Nutzen Sie einen geprüften Wasserfilter (zertifiziert nach KTW-B, NSF/ANSI 53) als Überbrückungsmaßnahme.
Sanierung: Rohraustausch ist Pflicht
Es gibt keine dauerhafte Alternative zum vollständigen Austausch von Bleirohren. Filterlösungen und Ablaufenlassen sind Überbrückungsmaßnahmen, aber keine Dauerlösung. Als Eigentümer sind Sie verpflichtet, Bleileitungen, die den Grenzwert überschreiten, austauschen zu lassen.
Die Kosten für einen Rohraustausch hängen von der Gebäudegröße und der Leitungslänge ab. Für eine Wohneinheit können das 2.000 bis 8.000 Euro sein - ein erheblicher, aber notwendiger Aufwand zum Schutz der Gesundheit.
Förderung
Informieren Sie sich bei der Stadt Nürnberg und der KfW über mögliche Förderungen. Für energetische Sanierungen gibt es oft Pakete, in die auch Rohrerneuerungen einbezogen werden können.